Verlag oder Selbstverlag, das ist hier die Frage

Bei der Vorbereitung des Literaturcamp Bonn ist immer wieder das Thema Selfpublishing aufgepoppt. Bei mehr als 90.000 Neuerscheinungen im Jahr (Quelle MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH) könnte man vermuten, dass die Verlage so mit Anfragen geflutet werden, dass sie dem nicht mehr Herr werden und viele Autorinnen und Autoren daher zum Selfpublishing kommen, um ihr Werk zu veröffentlichen. Dass das nicht so sein scheint, sagt eine andere Quelle: „Die Motivation für das Selfpublishing konzentriert sich wie in den Vorjahren auf zwei Faktoren: Freiheit und Kontrolle. […] Schlechte Erfahrungen mit Verlagen gibt weniger als ein Fünftel der Indies als Motivation an.“ (Quelle: http://www.selfpublisherbibel.de/die-ergebnisse-der-grossen-selfpublishing-studie-2015-teil-1/ )

Schon beim Literaturcamp Heidelberg haben sich die Teilnehmenden viel mit Selfpublishing beschäftigt z. B. in der Session Self-publishing von der Idee zum Buch. Mit Verlag arbeiten oder im Selbstverlag erscheinen ist und bleibt ein spannendes Thema auch für uns am 8.°April. Unser Sponsor Hans Weingartz vom Kid Verlag erwähnt es in seinem Interview. Und unsere Sponsorin Svenja Heneka, die wir heute im Interview haben, kennt als Dienstleisterin für Verlage und Selfpublisher die Herausforderungen, die beide mit sich bringen.

 

3 Fragen an… |Text. Lektorat. Svenja Heneka, unseren Bronzesponsor

Das Logo der Agentur besteht aus den Worten Text und Lektorat, jeweils mit Punkt dahinter. Zu Beginn ist ein Senkrechter Strich.

 

 

 

 

 

 

Wie der Name Ihrer Agentur schon vermuten läßt, haben Sie bei Text.Lektorat mit „Worten“ zu tun. Was genau bieten Sie an und wie kommt die Literatur in Ihre Arbeit?

Der Streit darüber, was genau „Literatur“ ist bzw. vielmehr was sie nicht ist, spaltet die Literaturwisschenschaften seit Ewigkeiten. Und da das nun einmal auch sehr viel mit persönlichem Empfinden zu tun hat, wird das wohl auch auf alle Zeiten so bleiben. Wenn man Literatur aber als Gesamtheit aller schriftlichen, veröffentlichten Erzeugnisse betrachtet, sind wir eigentlich schon genau am Dreh- und Angelpunkt meiner Arbeit: schriftliche Erzeugnisse vor ihrer Veröffentlichung. Das kann ein wissenschaftlicher Fachtext sein, eine Qualifizierungsarbeit, eine Werbebroschüre oder eben auch Buchmanuskripte aller Art. In der Regel wenden sich Autoren an mich, die ihre Manuskripte zeitnah auf die eine oder andere Art veröffentlichen möchten. Gemeinsam erläutern wir dann den Weg, den das Manuskript gehen soll und ich empfehle die geeigneten Schritte. Das muss nicht immer ein umfassendes und kostspieliges Lektorat sein. Oft schreibe ich auch nur ein Gutachten mit konkreten Handlungsempfehlungen oder begleite den Autor bei der Veröffentlichung. Wenn jedoch ein umfassendes Lektorat beauftragt wird, bearbeite ich den Text auf seinen verschiedenen Ebenden: Inhalt, Sprache und Formales. Mit „mal eben drüberlesen“ hat das nur wenig zu tun. Grundsätzlich sollte jeder Text vor der Veröffentlichung von einem professionellen Lektor gegengelesen werden. Denn im Gegensatz zu Freunden oder Familie, hat ein Lektor einen distanzierten und kritischen Blick auf das Geschriebene. Das stößt nicht immer auf Begeisterung, aber wer veröffentlichen möchte, sollte sich darüber im Klaren sein, dass Leser nicht mit ihrer persönlichen Meinung hinter dem Berg halten. Ein Lektor hilft, das bestmögliche aus einem Manuskript herauszuholen – unabhängig von persönlichem Geschmack und immer konkret belegbar.

Ist es ein Unterschied, ein Buch im Auftrag eines Verlags oder im Auftrag eines Selfpublishers zu lektorieren?

Ein Manuskript kann grundsätzlich auf zwei Arten seinen Weg als Buch in die Regale finden: über einen Verlag oder im Selbstverlag. Beide Varianten haben für den Autor ihre Vor- und Nachteile. Allerdings sind die Zeiten, in denen sich Verlage intensiv um ihren Nachwuchs kümmern, in den meisten Verlagshäusern vorbei. Häufig wird ein Manuskript zwar noch lektoriert, allerdings beschränkt sich der Kontakt zwischen Autor und Lektor auf wenige Mails. Wer nicht bereist erfolgreich veröffentlich hat, hat es leider oft schwer, eine geeignete Betreuung zu erfahren. Wenn ich von einem Verlag beauftragt werde, gibt es oft konkrete Vorgaben, was dem Verlag am Manuskript gefällt, aber noch mehr, was nicht und worauf besonders geachtet werden soll. Dazu ist der zeitliche Rahmen relativ knapp bemessen. Mehr Spielraum für Autor und Lektor bietet da die zweite Variante: der Selbstverlag. Es gibt mittlerweile zahlreiche Plattformen mit wirklich fairen Angeboten. Dennoch gelten natürlich für ein Buch, das im Selbstverlag erscheint, die gleichen Regeln, wie für Bücher, die in einem traditionellen Verlag erscheinen: Die Zielgruppe sollte klar definiert sein und darauf sollte dann auch das Manuskript ausgerichtet werden. Wer für Kinder schreibt, aber eine viel zu komplexe Sprache verwendet, wird mit seinem Buch keinen Erfolg haben. Dazu kommt, dass ein Buch im Selbstverlag zwar schnell und einfach veröffentlicht werden kann – aber dann fängt die Arbeit erst an. Wer sich für den Selbstverlag entscheidet, muss sich darüber im Klaren sein, dass er damit automatisch noch weitere Jobs übernimmt: Er wird verantwortlich für Satz und Layout, wird Herausgeber und Marketingleiter. Das ist Arbeit. Viel Arbeit. Aber auch hier unterstütze ich Autoren gern. Nachdem ich das Glück hatte, studienbegleitend in einem wissenschaftlichen Fachverlag das Handwerkszeug einer guten Lektorin zu erlernen, habe ich mich für eine Weile aus der Buchbranche verabschiedet und im Marketing gearbeitet. Daher unterstütze ich die meisten Autoren im Selbstverlag noch weit über die Veröffentlichung hinaus bei allen Fragen rund um Pressearbeit und Marketing.

Was hat Sie motiviert, das Literaturcamp Bonn zu sponsern?

Porträtfoto von Svenja Heneka in schwarz-weiß

Svenja Heneka von |Text. Lektorat.

Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass Schreiben ein Handwerk ist, das man lernen kann und ich habe höchsten Respekt vor Menschen, die die Muße aufbringen, eine Geschichte zu entwickeln und sich wirklich intensiv dem Schreiben zu widmen. Dazu kommt, dass Schreiben etwas wahnsinnig Intimes ist: Ein Autor teilt seine Gedanken und Ideen mit der Welt. Und sobald etwas gedruckt ist, kann man es auch so schnell nicht mehr verändern. Das steht dann da und jeder kann es lesen und sich ein Urteil bilden. Zu veröffentlichen erfordert meiner Meinung nach viel Mut. Ich finde es toll, wenn Menschen mutig sind und sich dieser Herausforderung stellen. Mein Leben kreist buchstäblich um Literatur und ich begrüße es sehr, dass es immer mehr Möglichkeiten gibt, Menschen beim Schreiben zu unterstützen. Je offener und einfacher es ist, sich zu diesem Thema auf Augenhöhe auszutauschen, desto größer und besser sind am Ende auch die Vielfalt und Qualität unserer Bücher. Deshalb bin ich sehr froh, so kurzfristig noch als Sponsorin einsteigen zu können und auch meinen Beitrag zu einem offenen Austausch leisten zu können.

 

Hinweise vorab: Vorstellungsrunde, Technik, Catering

Nachdem ich im Newsletter vom 19.3. über die Sessionplanung  geschrieben habe, will ich hier die Vorstellungsrunde thematisieren. Unsere Twitter-Follower wissen es schon: Bei der Vorstellungsrunde stellen sich alle Teilnehmenden kurz mit Namen vor und nennen ihre drei Hashtags beziehungsweise Stichworte. Und da wir uns bei einem Literaturcamp befinden, haben wir gedacht, die Hashtags sollten auch mit Literatur zu tun haben. Damit ihr schon mal üben könnt, wie wir uns das vorstellen, mache ich das schon mal vor: Hallo, mein Name ist Ursula Fuchs, Literatur interessiert mich, weil ich Lesen brauche wie Atmen. Ich lese gerade Stefanie Kremser „Der Tag an dem ich fliegen lernte“ und mich beschäftigt gerade das Literaturcamp Bonn. Das geht schnell, alle Anwesenden haben dann schon mal Anknüpfungspunkte für Gespräche und es wird keine ausufernden Selbstdarstellungen geben.

Scrabblesteine mit dem Wort Literaturcamp

BarCamps: Diskutieren auf Augenhöhe
Copyright Claire Hughes

Wenn ihr eine Session machen wollt, könnt ihr das völlig technikfrei machen. Überlegt euch, wie ihr miteinander am besten ins Gespräch kommt. Und wenn ihr die Unterstützung der Technik braucht, dann lest euch nochmal durch, was die VHS anbietet und wo die Grenzen sind. Die PC´s in der Volkshochschule Bonn sind mit Windows 10+ und Office 2010 bestückt. Die Beamer sind integriert in die Smartboards, daher wird im Normalfall einer Präsentation z. B. mit Powerpoint nur ein Datenstick benötigt. Wenn jemand den eigenen Laptop mitbringt, muss er/sie selber das Kabel mit dem HDMI-Anschluss oder VGA mitbringen. Mehr dazu hier.

Uns haben schon Fragen zur Verpflegung erreicht: Ja, wir haben auch an veganes Essen gedacht. Es wird keine Sterneküche, aber alle, die nicht nur nach Diskussionen dürsten und hungern, versorgen wir mit Kaffee, Wasser, Brötchen, Suppe, Brezeln und was Süßes ist auch dabei.

Euer Organisations-Team

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.